Rheinhochwasser

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In der vergangenen Woche stiegen die Pegel des Rheins und der anderen Flüssen in Süddeutschland wegen der Schneeschmelze und des anhaltenden Regens stark an. Für den Pegel Maxau wurden Spitzenwerte von ca. 850cm prognostiziert. Ab einem Pegel von 780cm wird das Feuerwehrgerätehaus bei uns planmäßig 24/7 besetzt und es werden regelmäßig Kontrollfahrten am Rheinhauptdeich in unserem Zuständigkeitsbereich durchgeführt. Das wird auch als Dammwache bezeichnet. Bei uns wurden Dienstpläne mit 12-Stunden-Schichten und jeweils drei Kameraden erstellt.

Die erste Schicht

Mein erster Dienst war Samstags von 8-20 Uhr. Zunächst wurde eine Übergabe von der Mannschaft, welche die Nacht davor von 20-8 Uhr Dienst hatte, durchgeführt. Bis dato keine besonderen Vorkommnisse. Also wurden die Posten zugeteilt und ich fuhr mit einem Kameraden die erste Runde. Hierbei ist zu sagen, dass es für mich die erste Dammwache war – also alles ganz neu und spannend. Ich war bei der ersten Fahrt Maschinist und fuhr somit unser MTF, das Mannschaftstransportfahrzeug.

Zunächst ging es an den Hafen in Maximiliansau, wo der Pegelstand abgelesen wird. Hier war zu bemerken, dass trotz der frühen Uhrzeit, schon relativ viele Menschen die abgesperrten! Straßen zum Rhein gefahren waren – zum “Hochwasser gucken”. Danach ging es immer den Hauptdeich entlang – Richtung ungesteuertem Polder. Auch hier außer vielen Touristen nichts besonderes feststellbar.

Am Polder angekommen, konnten wir bereits vereinzelte Wasserübertritte von Rhein zum Polder feststellen. Bei einem Pegel von etwas über 810cm läuft der ungesteuerte Polder langsam voll.

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Der ungesteuerte Polder (links). Hier zu sehen: Erste Wasserübertritte vom Rhein zum Polder

Weiter ging es den Hauptdeich entlang und über den gesteuerten Polder zurück zum Gerätehaus. Gegen Mittag haben wir dann die nächste Runde gedreht, hier war der Pegel bereits auf über 810cm angestiegen. Sehr deutlich war nun eine recht ausgeprägte Strömung in den Polder zu sehen. Ein Betreten dieses Bereichs wäre jetzt lebensgefährlich.

Nach der Tour verbrachte ich die nächste Zeit in der Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ), in der ich die Funksprüche der Kameraden im angrenzenden Hochwassergebiet entgegengenommen und entsprechend dokumentiert habe. Weiterhin wurden ein steigender Pegel und viele Touristen gemeldet.

Gegen Abend durfte ich dann noch mal raus, eine letzte Runde bevor die Schicht um 20 Uhr planmäßig übergeben wird. Hier war der Rhein bereits auf ca. 850cm angestiegen. Hierbei hat der Rhein einen Abfluss von rund 4000m³/s – also 4 Mio. Liter/Sekunde. Spätestens hier leuchtet ein, dass Ausflüge in harmlos aussehende Pfützen oder Strömungen eine lebensgefährliche Idee sind.

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Blick vom Yachthafen Maximiliansau Richtung Baden-Württemberg

Auf dem Bild schlecht zu erkennen: Im vorderen Bereich wäre eigentlich ein asphaltierter Fußweg in Richtung Rhein, der dann nach links zu den im Wasser stehenden Bäumen abzweigt. Wir fuhren also unsere Runde zu Ende und übergaben die Schicht an die nachfolgenden Kameraden.

Die zweite Schicht

Die zweite Schicht übernahm ich dann unter der Woche. Diesmal als Nachtschicht von 20-8 Uhr. Durch die anhaltenden Regenfälle wurde die Dammwache entsprechend verlängert, da erneut mit einem steigenden Pegel gerechnet wurde.

Auch hier begann ich die Schicht als Maschinist auf dem MTF und fuhr mit einem erfahrenen Kameraden an der Seite zunächst zum Hafen in Maximiliansau. Der Pegel lag wieder etwa 810cm – es wurde aber in dieser Nacht ein Anstieg auf 840cm erwartet.
Weiter ging die Runde wie gehabt, am Hauptdeich entlang zum ungesteuerten Polder, dann zum gesteuerten Polder und dann wieder zurück zum Gerätehaus. Hier wurde sich ausgetauscht und meine Kameraden wechselten die Funktion.

Dann gings auch schon zur nächsten Runde raus, wieder als Maschinist, wieder mit einem erfahrenen Kameraden an meiner Seite, der mir alle möglichen Dinge erklärte, die zu beachten oder wissenswert sind. Am Hafen angekommen war der Pegel nun bereits auf 830cm angestiegen.

Weiter ging unsere Tour am Hauptdeich entlang, zur anderen Seite des Yachthafens. Hier war erwartungsgemäß ebenfalls alles ruhig und der Deich hatte keine gefährlichen Sickerstellen oder ähnliches.

Schließlich fuhren wir weiter Richtung des ungesteuerten Polders, dieser war gut gefüllt aber nicht ganz voll. Weiter zum gesteuerten Polder (der bei dem Pegelstand nicht geöffnet wird und daher leer war) und wieder zurück zum Gerätehaus.

Die nächste Runde verbrachte ich wieder in der FEZ und dokumentierte alle Funkmeldungen – Topwert des Pegels knapp über 840cm. Als die Kameraden wieder von ihrer Kontrollfahrt am Gerätehaus ankamen, war auch diese Schicht beendet und wir konnten pünktlich um 8 Uhr an die folgenden Kameraden übergeben – man, hab ich mich auf mein Bett gefreut 🙂 .

Nach etwas über einer Woche fiel der Pegel dann dauerhaft unter die Marke von 780cm und wir konnten die Dammwache auflösen.