EntertainTV mit BNG Anschluss und Bintec Router

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Wer einen Bintec Router mit VDSL Modem besitzt und einen VDSL BNG Anschluss der Telekom mit EntertainTV nutzt, wird sicherlich schon festgestellt haben, dass es im Internet quasi keine brauchbaren Anleitungen für BNG Anschlüsse und EntertainTV (a.K.a Entertain 2.0) gibt. Bintec gibt hier leider keinerlei brauchbaren Infos raus, wie das ganze einzurichten ist. Der Assistant für Internet hat zwar Voreinstellungen für “German Telekom VDSL – Entertain” die sind allerdings 1. nicht vollständig und 2. für einen BNG Anschluss gänzlich falsch. Ebenso konnte bzw. wollte man mir an der Telekom Hotline auf Fragen wie denn das ganze mit BNG nun technisch realisiert wird keine Antwort geben.

Ich habe mir nun also eine komplett funktionale Konfiguration mit dem Bintec zusammengebaut, die ich mit euch teilen möchte. Vieles musste ich mühevoll ergoogeln, ich habe die Telekom und Bintec Foren durchforstet, Infos zusammengetragen, mein eigenes Hirn zu Höchstleistungen angetrieben und zu guter letzt auch sehr oft meine Kollegen damit genervt. Aber es hat sich gelohnt, der Durchbruch ist mir nun gelungen!

Änderungen am BNG Anschluss der Telekom

Das wichtigste ist wohl, dass im vergleich zu früher nur noch das VLAN 7 am WAN Interface tagged werden muss. Den kompletten Spaß mit VLAN 8 und einem virtuellen Interface über dem WAN Interface am Bintec, kann man sich nun also sparen. Die Telekom nennt den Multicast kunstvoll “Zielnetzarchitektur” dieser wird auch weiterhin benötigt. Ebenfalls wird kein ASM mehr verwendet sondern SSM – die Vorteile liegen auf der Hand, der Empfänger kann sich nun die Quelle aussuchen. Mit Tools wie nmap und ähnlichem konnte ich herausfinden dass beim Fernsehen folgendes passiert:

Abgespielter Sender läuft im Multicast, schaltet man auf einen anderen Sender um, wird zu Unicast gewechselt. Nach etwa 10 Sekunden auf dem neuen Sender wird wieder zu Multicast zurückgewechselt. Das ganze mag sich blöd anhören, ist aber für den Senderwechsel von Vorteil, dieser geht dadurch einfach deutlich schneller.

Standardmäßiger Fehler des Bintec Assistenten

Konfiguriert man den Internet Connect wie oben erwähnt mit dem Bintec Assistenten und wählt German Telekom VDSL – Entertain, wird das ganze nicht korrekt eingerichtet. Die Folge, EntertainTV funktioniert solange die Kiste nur Multicast empfängt. Das kurzzeitige Umschalten auf Unicast bekommt dem Bintec in dieser Konfiguration überhaupt nicht – die Folge: das Bild bricht ab.

Mein Setup

  • VDSL2, ITU-T G.993.2 a.K.a Vectoring mit 100 Mbit/s down, 40 up von der Deutschen Telekom mit EntertainTV am BNG Anschluss
  • Bintec RS353jv – Router mit integriertem Vectoring fähigem Modem
  • Media Receiver 400 der Telekom, sämtliche Geräte im Netzwerk per Kupferkabel mit 1GbE verdrahtet.
Source: chris90.de | GPLv3

Konfiguration am Bintec

Internet Einwahl

Zunächst muss die Internet Connection eingerichtet werden. Hierzu kann man ruhig das Preset “German Telekom VDSL – Entertain” auswählen, habe ich auch gemacht. Das macht schon einiges richtig, aber leider nicht alles.

Assistants > Internet > New > Connection Type=”Internal VDSL Modem” 
Description > “Mustername für eure Einwahl z.B. DTAG”
Country > “Germany”
Internet Service Provider > “Telekom Entertain – VDSL”
Connection ID > “Anschlusskennung DSL Zugangsdaten”
Access Number > “Zugangsnummer DSL Zugangsdaten”
Co-User-Number > “Voreingestellt auf 0001, ebenfalls DSL Zugangsdaten”
Password > “Ebenfalls aus den DSL Zugangsdaten”
Always Active > “Enabled”
IPv6 > “Enabled”
IPv6 Prefix Delegation on LAN > “Enabled”
Physical Ethernet Port (LAN) > “ETH1 / oder der Port, an dem eure Netzwerkgeräte hängen”

PPPoE VLAN 7 Tag hinzufügen

WAN > Internet+Dailup > “Eure eingerichtete Verbindung” rechts mit dem Stift bearbeiten. Wir müssen hier VLAN aktivieren und VLAN 7 taggen. Always on sollte ebenfalls aktiv sein, damit die EntertainTV Aufnahmen nicht unterbrochen werden. Die restlichen Einstellungen macht der Assistent richtig.

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VLAN > “Enabled”
VLAN ID > “7”
Always on > “Enabled”

Konfiguration LAN-Port für MediaReceiver

Bintec empfiehlt dies auf irgend einer Sub-Sub-Sub Seite, ohne die Auftrennung des Switches hat es bei mir auch nicht funktioniert.

Physical Interfaces > Ethernet Ports

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Ich habe wie im Bild zu sehen, den Receiver am Port 4 (ETH4) nach en1-3 aufgetrennt.

Nun müssen wir noch eben das Netz dazu einrichten.
LAN > IP Configuration > en1-3 > bearbeiten (Stift-Symbol)

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Alles, was ihr einstellen müsst, ist
Address Mode > Static
IP Address / Netmask > Hier habe ich den Telekom Default von den Speedport Routern verwendet

DHCP-Pool für MediaReceiver

Da der MediaReceiver leider nur Adressen per DHCP beziehen kann und ich dort ja nun ein eigenes Netz habe, brauche ich einen DHCP-Pool der nur auf en1-3 eine Adresse rausgibt.

Local Services > DHCP Server > IP Pool Configuration > New

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Hier gebt ihr als Name etwas an, das auf Entertain hindeutet, damit man es nachher nicht mit dem lokalen DHCP Pool verwechseln kann.
Die Address Range ist euch überlassen, muss aber im Subnet von der en1-3 Konfiguration von vorhin sein. Es reicht auch eine Adresse, wenn man nur einen MediaReceiver nutzt.
Als DNS Server habe ich die IP aus der Konfiguration der Schnittstelle von en1-3 angegeben, das ist der Bintec selbst und als Secondary meinen DNS Server im LAN den ich eigentlich verwende.

Geht nun oben in den Reiter “DHCP Configuration” und klickt auf “new”

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Die Settings könnt ihr dann entsprechend einstellen, Advanced Settings müssen wir keine setzen.

Multicast / IGMP-Proxy

Nun wird’s spannend, die meisten Fehler können immer noch hier passieren, der Assistent hat hier zwar schon einiges angelegt, aber das passt noch nicht so ganz.

Multicast > General > Multicast Routing > “Enabled”
Multicast > IGMP > Options > Entsprechend dem Screenshot einstellen

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Multicast > IGMP > IGMP

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Soll zustand: einmal en1-3 und einmal dtag. Der Assistent wird hier noch ein efm35-60 anlegen, das kann gelöscht werden.

Bearbeitet zunächst das DTAG mit folgenden Settings – keine Advanced Settings

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Danach bearbeitet Ihr das en1-3, mit Advanced Settings

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Beim Proxy Interface muss dann WAN_DTAG – also die DSL Einwahl gewählt werden. Erst als Fallback 1 kann man das WAN_EFM35-60 auswählen.

SPEICHERT nun die Konfiguration, sonst müsst ihr beim nächsten Bintec Reboot alles noch einmal konfigurieren.

Bugfixen / Kontrolle

Damit habt ihr es dann endlich geschafft. Startet den MediaReceiver neu und er sollte laufen. Kontrollieren kann man das ganze nur über die CLI. Verbindet euch mit SSH/Telnet/Console und ruft das Setup-Tool auf “setup”.

IP > Multicast > IGMP > Advanced > Monitor

Hier könnt ihr die interfaces mit “n” und “p” durchschalten, bei DTAG und en1-3 solltet ihr nun Verbindungen sehen. Das sieht dann etwa so aus.

Source: chris90.de | GPLv3
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Ende

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen. Bei Fragen gerne in die Kommentare damit oder per Mail zu uns – ich gebe mein bestes und helfe auch gerne mit weiteren Screenshots aus. Es ist anstrengend, lohnt sich aber definitiv!