Atemschutzgeräteträgerlehrgang

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Vergangenes Wochenende war es endlich soweit, der Lehrgang zum Atemschutzgeräteträger hat sein Ende gefunden. Wie genau erfährst du in dem Artikel.

Voraussetzungen
Die Voraussetzungen für den schweren Atemschutz bei der Feuerwehr in RLP sind mit einem Blick in die FwDV 7 relativ schnell geklärt.
– Mindestens 18 Jahre alt
– Truppmann Ausbildung
– Sprechfunker Ausbildung
– Tauglich nach G 26.3
Daher ging es im Januar für mich direkt mit dem Sprechfunkerlehrgang los, den ich erfolgreich absolvieren konnte. Danach sollte im März die Grundausbildung folgen, aber diese wurde wie erwartet wegen Corona auf einen unbekannten späteren Zeitpunkt verschoben.

Vorbereitung
Im Lehrgang muss eine Belastungsleistung von 80 kJ mit 1600l Atemluftvorrat erbracht werden. Dabei wird die komplette persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen. Es war mir schnell klar: „Dazu musst du körperlich noch fitter werden“. Da der Lehrgang im April 2020 starten sollte, startete ich meine Vorbereitungen dazu Anfang 2020. Dazu musste ich zum einen an Gewicht verlieren und zum anderen allgemein fitter werden.

Zum Veranschaulichen was 80kJ bedeutet:
Man benötigt 1J um 100g auf eine Höhe von 1m zu bringen. Geht man bei einem Atemschutzgeräteträger von einem Gesamtgewicht von 100kg aus (75kg Feuerwehrmann und 25kg Austüstung), dann müsste man dieses Gewicht in ca. 25 Minuten auf 80m Höhe bringen.

Ich habe also das klassiche Kalorienzählen angefangen und mich immer leicht im Defizit gehalten. Parallel dazu habe ich begonnen mit dem Rad zur Arbeit nach Karlsruhe zu fahren (ca. 30km/Tag) und 2-3x die Woche (je nachdem wie es die Zeit und das Wetter zugelassen haben) laufen zu gehen. Und ich muss zugeben, das war immer mal mehr oder weniger erfolgreich, manchmal hatte ich wochenlang keine Zeit oder Lust – aber ich habe innerhalb des Jahres bis zum Lehrgang gut 10-12kg verloren und mein Durchschnittspuls ging auf der auserkorenen ca. 5km langen Laufstrecke leicht nach unten und vor allem fiel es mir von Lauf zu Lauf einfacher, diese zurückzulegen.

Erste Absage des Lehrgangs
Nun dürfte ja jedem klar sein, dass 2020 kein Jahr wie jedes andere wurde. Deshalb musste coronabedingt der Lehrgang bereits im März abgesagt werden – auf unbestimmte Zeit vertagt. Meine Motivation war am Boden und ich musste echt in mich gehen, um mich weiter zu motivieren und nicht einfach aufzugeben. Hilfe fand ich seltsamerweise im Sport – untypisch für mich, aber ich habe tatsächlich gefallen daran gefunden, mich auszupowern. Zudem hat mir das einiges mehr an Zeit verschafft, um „richtig“ fit zu werden. Motto: Warum als wenig fitter Mensch quälen, wenn es fitter deutlich leichter würde.

Truppmannlehrgang und Termin für AGT-Lehrgang
Im Lauf des Sommers und der sinkenden Inzidenz wurde klar, dass nun die Kreisausbildungen weitergehen können. Der Truppmann sollte Anfang September den Start bilden und Ende Oktober dann der Atemschutz folgen.

Der Truppmannlehrgang verlief super und ich konnte diesen erfolgreich abschließen.

G 26.3
Kurz nach dem Lehrgang, etwa Mitte September war mein Termin für die Arbeitsmedizinische G 26.3 Untersuchung. Die ärztliche Tauglichkeit nach G 26.3 ist eine Grundvoraussetzung, um bei der Feuerwehr mit schwerem Atemschutz arbeiten zu dürfen. Daher musste diese noch vor dem Lehrgang her. Der Arzt wurde mir empfohlen und die Untersuchungen verliefen erwartungsgemäß gut. Unter anderem werden Urin und Blut untersucht, Hör-, Seh- und Lungenfunktionstests gemacht und ein Röntgen der Lunge sowie ein Belastungs-EKG und ein abschließendes Arztgespräch durchgeführt.

Erste Übung
Mit der G 26.3 in der Tasche war nun der Weg für einen Probelauf unter Aufsicht in der eigenen Wehr frei. Ich kam also bei einer Übung in den Genuss eine Einführung in das Gerät, das Anziehen der Ausrüstung und erste Gehversuche mit angelegtem Atemschutz zu erhalten. Das war super, um ein Gefühl dafür zu erhalten, was mich beim Lehrgang so erwarten würde – dachte ich zumindest. 😀

Source: Mate | All Rights Reserved
Die erste Übung

Lehrgang und erneute Absage
Ende Oktober war es dann endlich soweit; Der Lehrgang fand mit strengem Hygienekonzept bei den Kameraden in Rülzheim statt. Am ersten Abend wurden wie immer die Rechtsgrundlagen und Einsatzgrundsätze, sowie der Atemvorgang und die unterschiedlichen Atemanschlüsse gelehrt. Am Tag darauf morgens nochmal Atemfilter und der Aufbau eines Pressluftatmers (PA). Nach einer Pause ging es dann an erste praktische Übungen mit Gerät, Maske und Übungsfilter. Hierzu wurden erst mal in der kompletten Runde Aufwärmübungen durchgeführt. Gleichzeitig musste ich mich an den Übungsfilter gewöhnen, der echt heftig ist, weil man durch das kleine Loch gerade unter Belastung doch nur recht mühsam Luft bekommt. Hier wurden verschiedene Stationen durchlaufen, beispielsweise das Hochlaufen des Übungsturm mit einem Gefüllten Schaummittelkanister oder das Kriechen durch verschiedene enge Röhren mit eingebauten Hindernissen. Das sorgte für ordentlich körperliche Belastung.
Auf die folgende Mittagspause habe ich mich wirklich gefreut. 😀
Anschließend ging es darum die Wartung und Kurzprüfung des Geräts zu lernen und danach mit Maske und angeschlossener Flasche erneut alle Stationen zu durchlaufen. Der Tag endete mit erneutem überprüfen des PA und der Masken. Ich war sichtlich erschöpft, denn dieser Tag sollte der anstrengendste im gesamten Lehrgang werden. Weitergehen sollte es in der kommenden Woche.

Doch Corona kennt bekanntlich kein Erbarmen und da die Inzidenz einen Tag vor dem letzten Lehrgangswochenende knapp die 50er Marke gerissen hatte, wurde dieser am Nachmittag auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wie die Stimmung bei den Teilnehmern und mir nach dieser Nachricht aussah, kann man sich denken. Ich war natürlich sehr enttäuscht. Erneut konnte ich mich also nur noch in den Sport flüchten, da ziemlich zeitgleich auch wieder sämtliche Feuerwehrübungen ausgesetzt bzw. auf Onlineübungen verschoben wurden. Selbstverständlich nahm ich weiterhin an den Einsätzen teil, doch bei jedem PA-Einsatz mit dem Hintergedanken „das könntest du jetzt eigentlich auch schon, wenn der Lehrgang komplett stattgefunden hätte“.

Endlich, ein neuer Termin!
Was lange währt wird endlich gut? Anfang 2021 kam wieder Bewegung in die Sache. Mein stellv. Wehrführer war garantiert von den dauernden Nachfragen, wann es weiter geht genervt – aber Anfang des Jahres gab es zunächst nur die Info, dass es bald weitergehen soll. Dies wurde dann Woche für Woche konkreter und wurde dann schließlich auf Ende Februar/ Anfang März terminiert.

Die Theorie war hier jetzt nur noch online und die Praxis wurde auf mehrere Kleinstgruppen mit ausschließlich Teilnehmern der eigenen Wehr und fest zugewiesenen Ausbildern wieder aufgenommen.

Am ersten Theorieabend wurde dann online zunächst eine kurze Wiederholung gemacht, da ja nun reichlich Zeit vergangen war. Zudem wurden noch die Orientierung und das Absuchen von Räumen besprochen. Zwei Tage später dann erneut ein Onlineabend. Thema diesmal das Verhalten in Notsituationen und Atemgifte. Ebenfalls wurden noch letzte Fragen vor der Theorieprüfung besprochen. Die sollte am nächsten Tag stattfinden.

Die Theorieprüfung war ebenfalls auf mehrere Standorte im Kreis aufgeteilt, um möglichst wenig Personen in einem Raum zu haben. Glücklicherweise fand diese in meinem Fall in der eigenen Wehr statt. Ergebnisse sollte es durch die Aufteilung bedingt erst am nächsten Praxistag geben.

Eine Woche später war es dann soweit. Der letzte Praxistag vor der praktischen Prüfung stand an. Dieser startete mit der Wiederholung der Kurzprüfung eines PA, gefolgt von mehren Stationen bei denen Räume im Dunkeln mit vollständig abgeklebtem Visier durchsucht werden mussten. Das versetzte mich anfangs schon fast in Panik, denn mit vollständig beklebtem Visier ist man ja buchstäblich blind. Das wurde aber von Station zu Station besser und ich konnte mich mehr oder weniger daran gewöhnen. Vielleicht auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass dies bei der Prüfung am nächsten Tag ebenfalls so sein würde. Das Highlight war der Wärmegewöhnungscontainer, in dem man mal ein Gefühl bekommen konnte, wie es sich mit PSA anfühlt, wenn’s mal wärmer wird. Abends fiel ich hundemüde ins Bett!

Prüfungstag – der letzte!
Tags darauf hatte jede Wehr einen eigenen Zeitslot für die Prüfung. Wir waren zeitig da, denn vor der Prüfung hieß es für alle: Antreten zum Schnelltest der bei allen negativ war. Und nach einer gefühlt ewigen Warterei auf die Kameraden, die vor uns dran waren, ging es dann los. Start mit der Kurzprüfung und dem Anlegen der PSA inklusive PA und Maske. Danach ab in den Geräteraum und eine Runde Endlosleiter steigen, Fahrradfahren und Handfahrrad bedienen. Kurz durchschnaufen und nun im Trupp mit verbundenem Visier auf die Übungsstrecke (Das ist diese Gitterbox, die man in den Bildern immer sieht). Ich ging voraus und meine Kameradin hinterher. Mit Betreten der Strecke waren meine Sorgen instant ausgeblendet, es zählte nur noch die Strecke, meine Kameradin und ich. Wir kommunizierten dauerhaft und ich tastete mich zügig voran. Ein Hindernis nach dem anderen wollte überwunden werden. Mal eine Tür, mal eine enge Röhre, mal eine Klappe um hoch oder runter zu steigen oder ein Fass, durch das geklettert werden musste. Und dann war es da, das Ende der Strecke! Wir waren beide draußen und hatten noch eine Luftreserve in der Flasche – geschafft! Stolz wie Harry, das Ding überwunden zu haben gingen wir zu unserem Platz, zogen uns um und verstauten die Geräte im Fahrzeug. Kurz darauf wurden wir vom Wehrleiter abgeholt und erhielten alle die lang ersehnte Ausbildungsbescheinigung zum Atemschutzgeräteträger!

Source: chris90.de | GPLv3
Nach der Rückkehr im Gerätehaus